Weshalb Kyoto Animation besser ist als man denkt

Was verbindet man wenn man das Animestudio Kyoto Animation hört? Einerseits sagen viele Animefans mit Sicherheit „Moe!“, „cute girls doing cute things!“ oder „Geile Grafik“ (sic). Doch KyoAni (Abkürzung für Kyoto Animation) macht mehr für die Animeindustrie als ein Studio Ghibli oder Madhouse je erreichen würde – was genau, möchte ich nun genauer erläutern.


Das 1981 gegründete Studio mit Sitz in Kyoto hat anfangs kleinere Animationsaufträge erledigt und war eher für das Design von Openings und Endings beauftragt – die bekannteren Anime, wo KyoAni involviert waren sind Titel wie InuYasha, das Tenchi-Universum etc. Die erste „eigene“ Produktion war eine OVA zum Nurse Witch Komugi-chan-Franchise. Seitdem hat KyoAni mehrere sehr erfolgreiche Anime produziert. Sei es Fullmetal Panic!, die Neuauflage von Air und Kanon und das in Deutschland überaus beliebte Clannad sind alles Titel aus den Händen von KyoAni. Der mitunter größte Wurf konnte mit der Anime-Adaption der Suzumiya Haruhi no Yuuutsu-Light Novel gemacht werden. Der Anime war so erfolgreich das man dessen Auswirkungen noch heute bemerkt.

Der Haruhiism wurde riesig. Die Serie verkaufte sich blendend, es gab das erste größere Internet-Phänomen aus dem asiatischen Raum (Hare Hare Yukai-Tanz) und auch auf andere Animetitel ist der Einfluss spürbar (Tanzsequenzen am ED). Das die Seiyuus bzw. Synchronsprecher idolisiert wurden und ein Augenmerk auf diese gelegt wurden kann man der (genialen) Songeinlage von Aya Hirano zugrunde legen.

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Doch neben den Einfluss auf die Animeindustrie Mitte der 2000’er ist KyoAni durch etwas anderes mehr als bekannt geworden: Die Optik.

KyoAni ist – im Gegensatz zu anderen Animestudios bekannt, eher auf Qualität anstatt auf Quantität zu setzen. Während einige Studios praktisch jede Season einen Titel nach dem anderen raushauen, so gibt es im Jahr maximal zwei, drei Titel die aus dem Hause Kyoto Animation kommen. Diese Zeit wird dadurch eingesetzt, dem Studio die hervorragende Optik zu bescheren, wie wir sie jetzt im Jahr 2017 kennen.

2009 wollte KyoAni jedoch durch den immensen Erfolg des Liedes God Knows beim Haruhi-Anime etwas mit Musik machen. Neben der Tatsache das Haruhi und K-On! als Musterbeispiele für das „moe“-Revival gelten, ist es doch das Charakterdesign welches sich bis jetzt durchgezogen hat. Yukiko Horiguchi (Mangaka des Kokoro Connect– Mangas) hatte maßgeblichen Einfluss auf das was Kyoto Animation bis jetzt produziert hat. Sowohl die Gesichtsform, der Fokus auf die Augenfarbe und auch die Haarstile sind einprägsam genug das man es auf viele Titel übertragen hat. Zwar war K-On! gerade auf westlichem Gebiet kein Erfolg, jedoch versuchten viele auf den moe-Zug aufzuspringen welcher K-On! ausgelöst hat. KyoAni selbst hat den Stil jedoch mit jedem weiteren Titel weiter verfeinert, was man u.a. an Titel wie Hyouka sehen konnte.

 

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Nachdem KyoAni das Kapitel Haruhi 2009 mit dem (grandiosen) Film abgeschlossen hat, wurde etwas ins Leben gerufen was u.a. der Grund für diesen Blogeintrag wurde: die Kyoto Animation Light Novel Awards.

 

Der Kyoto Animation-Award

Hauptpreis: 300.000 Yen
Trostpreise: 100.000 Yen
Maximale Ausschüttung: 1.000.000 Yen

Neben der Tatsache das ein Preisgeld vergeben wird stellt Kyoto Animation auch eine Animeadaption in Sicht – auch wenn es zu keinem Podiumsplatz reicht, kann es sein das die Titel dann animiert werden. Unterteilt werden die Awards in drei Bereiche: Light Novel, Manga sowie das Szenario.

  1. 1. Ausführung (2010)
    Kein Hauptpreis in allen drei Kategorien, mehrere Trostpreise u.a. für Chuunibyou demo Koi ga Shitai!-Light Novel (inkl. eine Animeadaption für 2012)
  2. Ausführung (2011)
    Kein Hauptpreis in allen drei Kategorien, mehrere Trostpreise u.a. für die Kyoukai no Kanata – Light Novel (inkl. Animeadaption 2013) sowie Free! (ink. Animeadaption 2013)
  3. Ausführung (2012)
    Sowohl keine Hauptgewinner als auch Trostpreise. Fiel aus.
  4. Ausführung (2013)
    Kein Hauptpreis in allen drei Kategorien, mehrere Trostpreise für u.a. die Musaigen no Phantom World-Light Novel (inkl. Anime-Adaption 2016)
  5. Ausführung (2014)
    Ein Hauptpreis im Bereich Light Novel für Violet Evergarden – Animeadaption ist für 2018 angekündigt. Auch mehrere Trostpreise wurden vergeben.
  6. Ausführung (2015)
    Sowohl keine Hauptgewinner als auch Trostpreise. Fiel aus.
  7. Ausführung (2016)
    Keine Hauptgewinner als auch Trostpreise, jedoch Jury-Sonderpreise – u.a. für Kazemai High School Japanese Archery Club (inkl. Animeadaption 2018)
  8. Ausführung (2017)
    Keine Hauptgewinner als auch Trostpreise ausser für Hiroshi Yūki’s Nijūseiki Denki Mokuroku (inkl. Animeadaption für 2018)

Doch was hat das ganze nun mit dem Thema zu tun? Ganz einfach: Durch diesen Award hat Kyoto Animation praktisch eigene Hand, wenn es um die Produktion von Anime angeht. Es müssen keinerlei Auftragsarbeiten gemacht werden (wodurch evtl. der Ruf beschmutzt werden könnte) und man hat viele Freiheiten was die Adaption selbst angeht. Natürlich gibt es Ausnahmen wie Miss Kobayashi’s Dragon Maid, diese sind jedoch selten – hier wird dann auch mit der Optik herumgespielt wodurch ich z.B. erst nicht gewusst habe das der Titel von KyoAni ist. Diese Unabhängigkeit sowie gewisse Talentförderung ist das, was KyoAni ziemlich von vielen Animestudios abhebt – auch benötigen sie keinerlei Komiteen mehr, wenn es um die Produktion geht.

Wenn man sich die Geschichte genauer anschaut ist es mehr als beeindruckend was Kyoto Animation eigentlich geschaffen hat.
1986: Subunternehmer
2003: Animeersteller/ Auftragsarbeiten
2011: Inhaltsersteller
2015: Inhaltserwerber

Doch es gibt noch mehr, was KyoAni von anderen Studios abhebt: Wenn man Shirobako’s Gehaltsliste kennt (siehe „Ein Blick hinter den Kulussen 2/2“ ist es wirklich so das es in Japan lediglich vier oder fünf Anime-Studios existieren, welche eine Art Mindestlohn bezahlen und somit über den Durchschnitt ihre Mitarbeiter entlohnen die es mit „Qualität“ zurückzahlen: Toei Animation, A-1 Pictures, Studio Ghibli und – ihr habt es erraten – Kyoto Animation. Auch die In-Betweeners, welche oft Hungerlöhne kriegen werden von allen vier genannten Studios so bezahlt das man davon Leben kann – inkl. „Gehaltserhöhung“ für jeden extra gefertigten Frame.

Auch besitzt Kyoto Animation eine „Schule„, in der angehende Künstler im Animesegment Fuß fassen können – KyoAni ist hiermit nicht auf externe Hilfe angewiesen und kann die Schüler direkt aus erster Hand rekrutieren und ihr Talent fördern. Auch besitzt Kyoto Animation eine Altersbeschränkung – so werden Animatoren angenommen wenn sie maximal 23 Jahre alt sind. So will KyoAni junge Menschen fördern in diesem hart umkämpften Segment.

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Sieht man alle oben genannten Faktoren: Mindestlohn wird bezahlt, Talentförderung, eigene Light Novel/ Mangaproduktion erkennt man erst, wie Kyoto Animation eigentlich Dinge macht, welche nur gut sein können. Man mag über die Qualität der jeweiligen Anime sich streiten wie man will, jedoch ist das was KyoAni erschafft ein Alleinstellungsmerkmal der nicht nur Anime eine Zukunft gibt, sondern auch Menschen eine Lebensgrundlage gibt.

 

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4 Gedanken zu “Weshalb Kyoto Animation besser ist als man denkt

  1. Annand schreibt:

    KyoAni ist so ziemlich seit K-On! mein absolutes Lieblingsstudio und einer der Hauptgründe, warum „Qualität statt Quantität“ soviel Bedeutung hat. Ich weiss zwar nicht ob KyoAni wirklich Verteidigung braucht, da es eines der beliebtesten Studios ist, aber ich denke, dass der Beitrag hier dem ein oder anderen noch was beibringen kann.

    Was ich noch hinzufügen möchte ist, dass Kyoto Animation zusätzlich noch über Naoko Yamada verfügt, die meiner Meinung nach, die momentan beste Anime Regisseurin ist. Selbst wenn man mir da nicht zustimmt, spricht ihr Alter und ihre Erfolge denke ich für sie.

    Gefällt 1 Person

    • lachsrolle schreibt:

      Man muss halt gerade bei Titel wie Phantom World mit der Stirn runzeln. Optisch wunderbar, doch gerade die Story ist bei KyoAni-Titel eher schlecht als recht. Klar, es gibt Ausnahmen….aber naja.

      Naoko Yamada verdient einen seperaten Eintrag, das stimmt.

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  2. P.H.Ignaz schreibt:

    Was ich bei KyoAni etwas schade finde ist, dass sie vom Zeichenstil her zu wenige Experimente eingehen.
    Da werden mir wohl sicherlich viele widersprechen, aber ein Anime hebt sich vor allem auch durch seinen Zeichen- und Animationsstil ab und der hat sich seit K-ON gefühlt kein bisschen verändert.

    Es ist immer der selbe „moehaft“ niedliche sanftfühlige Charakterdesign mit fast schon melancholisch gemalten Hintergründen. Klar steigert das den Wiedererkennungswert der Studiowerke, aber der fast schon einheitliche Zeichenstil kann dazu führen, dass man die Animes optisch kaum wirklich voneinander unterscheiden kann. Es fehlt das besondere, das entscheidende Merkmal, dass die einzelnen KyoAni-Titel so auszeichnet. Momentan kann ich zu Titeln wie K-ON, Love Chunibyo & other Delusions, Tamako Market, Hibike Euphonium, Free! und noch anderen Titeln sagen, dass das zwar KyoAni Animes sind, aber nicht was diese Animes für sich gesehen optisch einzigartig macht. Diesen Anspruch kann man als Zuschauer von einem Studio, dass sich immer für Qualität stark macht und sich für ihre Animes Zeit nimmt, schon verlangen/erwarten.

    Mit Nichijou hat KyoAni gezeigt, dass sie durchaus in der Lage sind von ihrem üblichen Schema abzuweichen ohne sich komplett zu entfremden. Am Animationsstil hatte man nämlich immer noch die Handschrift von KyoAni gesehen.

    Auch Studio Ghibli hatte gezeigt, dass sie immer wieder was neues auf die Beine Stellen konnten und man trotzdem bei allen Ghibli Filmen einen gemeinsamen roten Faden Anhand des Zeichen- und Animationsstils erkennen konnte.

    Abgesehen davon mag ich aber KyoAni sehr, da sie sich in der japanischen Anime-Industrie sehr stark für faire Arbeitsbedingungen und eine gute Entlohnung einsetzt, bei ihren Animes (zumindest Optisch) immer auf Qualität setzt und auch ordentlich Nachwuchsförderung betreibt. Davor habe ich tiefsten Respekt und das hat auf jeden Fall meine Hochachtung verdient.

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    • lachsrolle schreibt:

      Auch wenn ich dir Recht geben muss, so muss ich dir auch in gewisser Weise widersprechen was die Entwicklung angeht. Ich würde es ja mit der Call of Duty-Reihe vergleichen. Im Prinzip bietet KyoAni ein (veraltetes) Charakterdesign ab, welche sich aber jedoch mit jeder weiteren Serie verfeinert – gerade wenn man K-On! mit Hibike vergleicht. So ist es auch bei Call of Duty, welches ja bis 2015 noch auf einer Enginge basiert welche 2002 produziert wurde.

      Ich bin deshalb u.a. auf Violet Evergarden gespannt da sie hier ihr Design an die Spitze getrieben haben – ob die Serie auch qualitativ mitsprechen kann und auch so Akzente setzen kann muss man abwarten (obwohl ich einige kenne die es bei der EU-Premiere gesehen haben und auch inhaltlich begeistert waren)

      Deshalb find ich es gut das sie auch mal Titel wie A Silent Voice herausgebracht haben – da erkennt man lediglich an den Hintergründen das es von KyoAni ist.

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