Die Produktion eines Anime: Der Effekt und das Ziel von Animeproduktionen

Teil vier der Reihe „Die Produktion eines Anime“.
Teil 1: Das Produktionskomitee.
Teil 2: Ein Blick hinter die Kulissen 1
Teil 3: Ein Blick hinter die Kulissen 2

Heute schauen wir uns genauer an, weshalb ein Anime überhaupt produziert wird.

Prinzipiell lässt es sich mit einem Satz zusammenfassen: Ein Anime dient dazu, das Originalwerk – Manga, Light Novel, Videospiel, Roman bekannter zu machen und die Verkäufe zu pushen. Mehr versteckt sich eigentlich nicht dahinter.

 

Doch wie groß ist denn nun der Effekt für das Originalwerk wenn ein Anime produziert wird?

Manga 2011

Mangaverkäufe 2011 in Japan.

Hierzu möchte ich nun das „Wunder“ Attack on Titan oder Shingeki no Kyojin genauer beleuchten. Der Manga startete 2009 und wies damals eine noch kleine Fanbase auf – 2009 war der Manga noch nicht einmal in den Top 20 der meistverkauften Manga vorhanden. 2010 wurde die Fanbase immer größer, jedoch reichte es auch hier nicht um in die Liste der Top 20 zu kommen. 2011 wurde dies mit einem 11. Platz (Verkaufszahlen lagen bei 3,8 Millionen verkauften Bänden) erreicht. Nach und nach erreichte der Manga immer mehr Bekanntheit.

 

 

 

Manga 2012

Mangaverkäufe 2012 in Japan.

2012 wurde jedoch auch bei Kodansha Inc. (Verlag, welcher Manga vertreibt) erkannt das der Manga langsam aber sicher Sphären erreicht, welche eine Adaption unumgänglich macht da die Verkaufszahlen zwar solide, aber rückgängig sind. So wurde aus (finanztechnischen) Sicherheitsgründen ein Produktionskomitee gegründet und am 08.12.2012 erschien das erste PV (Promotional Video) für Shingeki no Kyojin als Anime. Was danach passierte sollte jedem Animefan bekannt sein.

Dieses Prozedere lässt sich prinzipiell auf jeden Anime ausweiten, welche einen Manga oder Light Novel adaptiert: Gehen die Verkaufszahlen zurück steigen die Chancen auf einen Anime. Aber es gehören auch weitere Faktoren dazu wie zum Beispiel:

  • Besteht die Möglichkeit ein Franchise aus dem Manga oder Anime zu bilden?
  • Ist es möglich Figuren, Poster, Cosplay-Artikel zu verkaufen?
  • Ist der Autor damit einverstanden das ein Anime produziert wird?
  • Gibt es eine großflächige Zielgruppe die den Manga oder die Light Novel kaufen wird?
  • Kann der Anime international bekannt werden?
  • Ist die Reihe bald beendet oder läuft sie noch?

Gerade der letzte Punkt ist sehr oft ausschlaggebend für einen Anime: eine bald abgeschlossene Reihe zu animieren lohnt sich schlichtweg nicht, da die Fans wahrscheinlich schon alle Manga besitzen oder der Hype, welcher die Reihe eventuell hervorgebracht hat bereits abgeklungen ist. Ein großer Nachteil ein abgeschlossenes Werk zu animieren ist auch die Tatsache der Erwartungshaltung: Wenn ein Werk abgeschlossen wurde, erwarten die Fans auch eine 1:1 Nacherzählung, was bei vielen Serien aufgrund der festgelegten Folgenanzahl je Season bei 12/24 oder 13/26-Folgen bleibt und eingehalten werden muss. Die Adaption eines laufenden Werkes erlaubt dem Animestudio flexibler mit dem vorhandenen Material umzugehen – hier ein Kapitel überspringen, da etwas von der Handlung variieren – da das Originalwerk noch läuft wird darauf spekuliert das wenn der Anime beliebt ist, sich die Fans den Manga oder die Light Novel kaufen.

Denn wie wir bereits aus dem Beitrag über das Produktionskomitee wissen, machen die Firmen eine Animeadaption nicht aus Fanliebe – es geht schlichtweg um Geld.

Attack on Titan hat nun aufgrund von rückläufender Mangaverkäufe nun 2013 einen Anime bekommen, die Serie ist wahrlich wie eine Bombe eingeschlagen – sowohl national als auch international. Und der Manga? Seht selbst:

Manga 2013

Ich könnte meinen Arsch darauf verwetten das selbst Kodansha von diesem Erfolg überrascht war – man konnte schließlich fast den Dauerbrenner One Piece vom Thron stoßen. Auch der Anime selbst war für das Animestudio ein voller Erfolg. Und hiermit kommen wir auch zu einem Punkt welcher eigentlich IMMER ein Thema bei den dt. Animefans ist: die zweite Staffel.

Bei Attack on Titan lief in Japan alles wunderbar, die Lizenz konnte teuer ins Ausland verkauft werden, der Manga hat nicht nur 2013 die 10 Millionenmarke geknackt, die Verkäufe des Merchandise sind wahrscheinlich ebenfalls explodiert – alles erreicht oder übertroffen was auch nur möglich war. Der Sinn, weshalb ein Anime produziert wird ist somit mehr als erfüllt worden. Im Komitee wurden wahrscheinlich vertraglich nur 26 Episoden festgelegt, weshalb für alles weitere sich das Komitee wieder zusammensetzen musste. Dies geschah jedoch erst wieder 2016 nachdem die Verkäufe des Mangas wieder rückgängig wurden. Während 2013 noch der zweite Platz behauptet wurde sah es so aus:

  • 2014: Platz 2, 11. Millionen verkaufte Bände
  • 2015: Platz 3, 8. Millionen verkaufte Bände
  • 2016: Platz 4, 6.5 Millionen verkaufte Bände
  • 2017: Platz 4, 6.5 Millionen verkaufte Bände (erste Jahreshälfte)

Wer mag – hier gibt es die genauen Zahlen.

Man erkannte die erneut sinkenden Verkaufszahlen und so wurde 2016 beschlossen, eine 12-teilige Staffel zu produzieren – mit mäßigem Erfolg. Zwar wurde die Talfahrt beendet, jedoch auch nicht gesteigert. Und hier kommen dann auch Kinofilme ins Spiel: Ist ein Manga oder Light Novel bereits älter und hat auch schon eine Adaption erhalten (No Game No Life, Irregular at Magic High School) wird mit – vergleichsweise günstigen – Kinofilmen geschaut, ob das Franchise oder die jeweilige Marke noch beliebt ist unter den japanischen Fans. So kann zwar noch etwas Geld eingenommen werden – floppt jedoch ein Film ist das jeweilige Kapitel „zweite Staffel“ dann für beendet erklärt und es wird nie mehr etwas produziert.
Im Falle von Attack on Titan schaut Kodansha genau wie die dritte Staffel 2018 ankommen wird.

Ich hoffe das es euch wieder gefallen hat – Eindrücke und Meinungen gerne in die Kommentare. Speziell das Thema mit der zweiten Staffel ist ein wiederkehrendes Thema was irgendwann nur noch nervt – mich jedenfalls, weshalb ich es ebenfalls jetzt schon behandelt habe.

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4 Gedanken zu “Die Produktion eines Anime: Der Effekt und das Ziel von Animeproduktionen

  1. Annand schreibt:

    Ich finde es sehr gut, dass du auf das Thema mit den zweiten Staffel eingegangen bist, da ich wahrscheinlich nicht der einzige war, der sich gefragt hat, warum es so viele Jahre gedauert hat, bis der Megahit Attack on Titan eine zweite Staffel bekam. Also sehr lehrreich in den Aspekt.
    Ich persönlich ziehe aber Anime Originals dem Haufen an Adaptionen vor. Da es hier natürlich eine starke Vision eines Teams und einen sehr willigen Sponsor braucht, ist die Anzahl leider gering. Aber zum Glück gibt es Studios wie 3Hz, die es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht haben Originals zu pushen.

    Wollte dich noch auf einen Fehler hinweisen. Beim Part über die Preview von Attack on Titan hast du versehentlich 2016 statt 2012 geschrieben.

    Gefällt mir

    • lachsrolle schreibt:

      (interessant das mir das WordPress nicht als Nachricht gezeigt hast das du mir was kommentiert hast…aber gut, die haben noch nicht die Zeitumstellung gemacht…^^)

      Ich sage mal so: das sind die mitunter offensichtlichsten Gründe weshalb es so lange gedauert hat. Klar, kann es auch mit vertraglichen Aspekten zu tun haben oder gar anderweitige Dinge (WIT Studio war ja danach ausgebucht wie nochmal was).

      Mittlerweile find ich Originals auch interessanter, aber da sind die Qualitätsunterschiede noch deutlich zu erkennen. Wenn Titel wie Houseki no Kuni (absolute Empfehlung meinerseits! Unbedingt anschauen – Blogeintrag darüber kommt auch noch) herauskommen, bin ich zwar auch zufrieden…aber naja.

      Ist korrigiert, danke!

      Gefällt 1 Person

      • Annand schreibt:

        Houseki no Kuni ist den Blick auf jeden Fall wert. Der Anime gibt mir wieder die Hoffnung, dass CG Anime endlich in die richtige Richtung geht. Vom Weltendesign und der Arbeit mit den Hintergründen ist der Anime auf jeden Fall unglaublich.

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